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Der Schwabacher Schriftsteller Dr. Manfred Korth las in Leerstetten aus seinen Werken LEERSTETTEN - Bereits zum zweiten Mal war der in Schwabach lebende Schriftsteller Dr. Manfred Korth zu Gast in der kleinen Buchhandlung von Barbara Nürnberg, um aus seinen Werken zu lesen. Dort hat er sich eine kleine, treue Fangemeinde geschaffen. Und auch dieses Mal wurde sie - am Welttag des Buches - nicht enttäuscht.

Der promovierte Jugendamtsleiter in Roth verstand es, mit einer wohldurchdachten, sehr abwechslungsreichen Mischung aus älteren und ganz neuen Gedichten und kurzen Prosatexten den intimen Kreis von Literatur-Interessierten zu begeistern. Dr. Manfred Korth kann inzwischen ein beeindruckendes Gesamtwerk vorlegen. In Kürze erscheint sein zehntes Buch mit dem Titel "Nietzsches Vermächtnis und weitere unzeitgemäße Novellen". Für seine Texte erhielt er bereits zahlreiche Auszeichnungen, darunter Preise bei "Poetry on the Cover", Auszeichnungen für seine Kurzgeschichten und den Schweriner Satirewettbewerb.  

Zum Einstieg präsentierte Dr. Korth ein neues Gedicht mit dem Titel "Der Strohhalm", das in beeindruckenden Bildern und Metaphern beschreibt, wie ein Strohhalm "im Rinnsal dem Schacht entgegen tänzelt". Der stille Beobachter erbarmt sich des stockigen Strohhalms und steckt ihn in die feuchte Erde. Der leidenschaftliche "Gedankenspaziergänger" Manfred Korth machte sich anschließend auf eine imaginäre Wanderschaft und las einen Ausschnitt aus seinem Buch "Baum der Tränen" vor, in dem er der Romantik seine Reverenz erweist. Diese Wanderschaft, diese Reminiszenz an ein Gefühl des Aufbruchs und der Lebensfreude, versteht der Autor im doppelten Sinn: Zum einen knüpft er an Vorbilder wie Fontane oder Hölderlin an und streut Elegien zwischen die Prosa, zum anderen bedeutet der Begriff Wanderschaft für ihn, alles Alte hinter sich zu lassen, um Neues zu erfahren und in Traumlandschaften einzusteigen. Manche Passagen erinnern an Novalis´ "Hymne zur Nacht", doch Korth hat seine ganz eigene Sprache gefunden, die den Zauber und das Gefühl der Romantik in der heutigen Sprache genauso rüberbringt wie es die Dichter des 19. Jahrhunderts vorexerzierten. Teils surreal, teils romantisch spiegeln Korths Naturschilderungen immer auch seine Seelenbefindlichkeiten wider. "Beim Schreiben von Gedichten sitze ich oft sehr lange, um die Sprache und meine Gedanken zu verdichten", erklärte Dr. Manfred Korth. "Bei manchen Gedichten jedoch fließen mir die Worte spontan auf das Papier, und ich schreibe sie in einem Zug." 

Titel wie "Flüsterelegie", "Innere Landschaften", "Zeitfenster" oder "Der Wanderer ohne Schatten", die er im Folgenden vortrug, gaben beredte Einblicke in das Denken und Fühlen des Schriftstellers. Korth schreibt sehr vielseitige Lyrik, mal modern, mal in traditionellen Versmaßen und hat auch keine Angst vor Sonetten, Hexametern oder Pentametern. Seine Liebe zu Hölderlin oder Rilke schimmert aus so manchen Gedichten. 

Als kleine Kostprobe aus seiner neuen Novellensammlung las Korth die Novelle "Im Lichte erstrahlt". Mit viel Humor und Ironie nimmt der Autor hier den Aberglauben der Menschen aufs Korn. Der Protagonist Felix wird ungewollt zu einem Heiler, der durch Handauflegen Krankheiten heilen kann und sich auch kräftig vermarktet. Der schreibende Jugendamtsleiter versteht es auf ganz unnachahmliche Weise, ernste Gedanken in einen humorvollen Stil zu packen, der von der Ironie bis zum Sarkasmus reichen kann. Manche seiner Gedichte können aber auch richtig böse sein, wenn er beispielsweise in dem Gedicht "Die Brieftaube" über Politiker ein vernichtendes Urteil fällt: "Politiker lügen öffentlich, ohne dies zu bereuen." Gedichte wie "Zuvielisation", "Schicksalslotterie", "Die Flamme", "Nachtgedanken", "Libellen" oder das preisgekrönte "Metamorphosensonett" gaben einen Einblick in die Vielschichtigkeit und Komplexität der Korth´schen Denkweise.

Neben existenziell-philosophischen Überlegungen sind seine Texte immer auch geprägt von verwischenden Grenzen zwischen tatsächlich Erlebtem und Fantasie, zwischen Humor und tiefem Ernst. Dass neben dem Ernst immer auch ein Schuss Nachdenklichkeit und Erschrecken liegen, zeigte seine Geschichte "Das Geheimnis um Anton", in der es um das Thema Suizid geht. ROBERT UNTERBURGER

   
 
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