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Robert Unterburger
 
„Stationen der Liebe“: Dr. Manfred Korth veröffentlichte einen packenden neuen Roman

LANDKREIS ROTH – Nicht von ungefähr ziert das Cover eine Marionettenfigur. Der Mann, dessen Gesicht weiß gefärbt ist, hat die Augen geschlossen und den Kopf zur Seite geneigt.  Müde und teilnahmslos hebt er die Hände, lässt sich mit zwei Stricken von einer kräftigen Hand über seinem Kopf dirigieren und fremd bestimmen. Er scheint zu schlafen, zu resignieren, mit dem Leben abgeschlossen zu haben, er hat keinen Lebensmut mehr. Die Katastrophe scheint ihren Lauf zu nehmen.

Der mehrfach ausgezeichnete Literaturpreisträger Dr. Manfred Korth aus Schwabach – hauptberuflich ist er Jugendamtsleiter am Landratsamt Roth – hat einen packenden neuen Roman veröffentlicht. „Stationen der Liebe“ heißt das 186 Seiten starke Werk, das im SWB-Verlag Stuttgart erschienen ist.

 Thematisch geht es um das Schicksal eines Mannes namens Heinrich Brettauer, der in ländlicher „Idylle“ aufwächst und an seiner Rolle als katholischer Priester zerbricht. Aber nicht nur daran zerbricht er. Sein Scheitern ist auch die Folge der Verlogenheit und der gesellschaftlichen Zwänge, gegen die er sich erfolglos stemmt und die ihn vor unlösbare Aufgaben stellen. 

 Das Thema Liebe, ob zu Eltern, Geschwistern, Freunden oder zu Gott, wird am Lebensweg des Ich-Erzählers Heinrich so authentisch umrissen dargestellt, dass man beim Lesen immer wieder Deja-vu-Erlebnisse verspürt und man das Gefühl hat: Da ist nichts gekünstelt, es ist eine Geschichte aus dem wirklichen Leben. 

 Wer den psychologisch-philosophischen Roman – wie der Rezensent – in einem Stück liest, wird gepackt werden von der atemberaubenden Spannung, der suggestiven Sprache und dem raffiniert konstruierten Handlungssträngen. Das Buch bietet mehr als niveauvolle Handlung. Es spricht drängende gesellschaftliche Probleme an, die auch im Zeitalter der Globalisierung die Menschen bedrängen und emotional an den Rand des Abgrunds stürzen können. 

 Solche Konflikte, die Dr. Korth thematisiert, sind unter anderem die Zwänge des Zölibats und die Auswirkungen von gesellschaftlichen Tabu-Brüchen, Scheinheiligkeiten und Doppelmoral, unerfüllter Liebe und traumatischer Erlebnisse, die einen Menschen in die Einsamkeit und in die Verzweiflung stürzen.

 Der Autor beobachtet genau. In Rückblenden reflektiert er „die Stationen der Liebe“ des Ich-Erzählers Heinrich Brettauer, der, protegiert vom Dorfpfarrer, ein Internat besuchen darf und sich sukzessive in die Rolle des Priesters drängen lässt. Die aufflammende Liebe zu seiner Schwägerin und ihr späterer Selbstmord verändern sein Leben, werfen ihn aus der Bahn der Konventionen. Seine zweite Liebe zu Lisbeth, die ebenfalls ums Leben kommt, macht ihn einsam, ihn, den ehedem so beliebten Stadtpfarrer, der sich nun Trost bei einer Prostituierten sucht und seinen Priesterberuf hinschmeißt.

 Heinrich Brettauer beginnt ein neues Leben, hält sich als Übersetzer von Gebrauchsanweisungen über Wasser, wird geächtet von allen Menschen, die ihn früher als Pfarrer geachtet haben. Nun steht er ganz alleine da, ist ratlos und am Ende völlig verzweifelt. Es ist kein versöhnlicher Schluss, mit dem der Leser zurück gelassen wird. Die Verzweiflung des Protagonisten Heinrich Brettauer packt den Leser, lässt ihn mitfühlen am verkorksten Schicksal des durchaus sympathischen Anti-Helden.

 Der Roman bietet keine Rezepte. Der Autor stellt lediglich in Frage, wirft Fragen auf, zwingt zum Nachdenken über Konventionen und über die Unfähigkeit, einander gut zu sein und einander nicht weh zu tun. „Stationen der Liebe“ ist ein Roman, der ungemein spannend und packend geschrieben ist. Er bietet keine vorgefertigten Antworten, kein Happy End, aber auch keine weinerliche Nabelschau eines gescheiterten Priesters, der mit seinem Leben nicht zurecht kommt.

 Als Leser nehmen wir Anteil an geistreichen Gesprächen über Friedrich Nietzsche, den der Romanautor eine besondere Reverenz erweist. Selbst die Prostituierte Martina – die letzte „Station der Liebe“ des Heinrich Brettauer - ist eine sattelfeste Nietzsche-Kennerin. Aber auch Zitate anderer berühmter Autoren machen Korths neuen Roman zum Lesevergnügen. Mit „Stationen der Liebe“ ist Dr. Manfred Korth ein wunderbarer neuer Roman gelungen, dem man eine Leserschaft wünscht, die ebenso begeistert ist wie der Schreiber dieser Rezension.

 
ROBERT UNTERBURGER

 (Manfred Korth: Stationen der Liebe. SWB-Verlag Stuttgart, 186 Seiten, 2009, ISBN: 978-3-838719-20-6, www.sbw-verlag.de )


   
 
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